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SPD-Gemeindeverband Holle

Wir in Holle
Sven Wieduwilt
Sven Wieduwilt, Vorsitzender des SPD-Gemeindeverbandes Holle

„Transformation 3.0. Raus aus der Wachstumsfalle“ – so der Titel des Buches, das Michael Müller und Johano Strasser bereits 2011 veröffentlicht haben und mit dem sie sich in die Debatte um einen neuen Wachstumsbegriff und die Frage, was gesellschaftlichen Fortschritt ausmacht, eingemischt haben.

Werfen wir einen Blick zurück. 2011 wurde im Deutschen Bundestag die Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität" eingesetzt, der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) veröffentlichte das Gutachten „Welt im Wandel – Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation“, an vielen anderen Stelle wurde über die Frage eines Green New Deal, eines neuen Wachstumsbegriffes und vor allem neuer Maßstäbe für die Definition von Wachstum debattiert. Außerdem, auch das gehört mit zum Zusammenhang: Die SPD und befreundete Organisationen auch im europäischen Ausland diskutierten über die Frage, was eigentlich gesellschaftlichen Fortschritt ausmacht und wie dieser Begriff wieder sozialdemokratisch geprägt werden kann. Lesenswert ist dabei nach wie vor das Papier des SPD-Parteivorstandes „Neuer Fortschritt und mehr Demokratie“, das leider in der programmatischen Versenkung verschwunden ist.

Michael Müller, Vorsitzender der Naturfreunde, früheres Mitglied des Deutschen Bundestages und Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesumweltministerium, und Johano Strasser, Politikwissenschaftler, Schriftsteller und seit 2002 Präsident des P.E.N.-Zentrums Deutschland, skizzieren - auch in historischer Perspektive - die Entwicklungen im Umgang des Menschen mit der Natur, das dem zugrundeliegende Verständnis von Mensch und Natur und sie zeigen in ihrem Buch die Grenzen des derzeitigen Wirtschaftens und der Fixierung auf Wirtschaftswachstum auf. Bei der Frage der Problemlösung setzen sie den Begriff der Nachhaltigkeit, der im Zusammenhang mit der Nachhaltigkeitsdiskussion des Rio-Weltgipfels 1992 die Debatte bestimmte und mittlerweile für alle möglichen Diskussionen als Stichwort herhalten muss, wieder in seinem ursprünglichen Bedeutung auf die politische Tagesordnung.
Auch wenn ein Buch mit 130 Seiten nicht jeden Aspekt im Detail aufgreifen kann und damit immer ein wenig abstrakt bleibt, zeigen Michael Müller und Johano Strasser im vierten Kapitel ihres Buches mit der Überschrift „Kurswechsel: Ideen für eine gute Zukunft“ Leitplanken für eine entsprechende Politik auf: der Nationale Wohlfahrtsindikator (zur Ablösung des BIP), mehr Demokratie wagen, kollektive Güter stärken, Bildung und Forschung für eine nachhaltige Entwicklung, vorsorgende Sozialpolitik, Humanisierung der Arbeitswelt, ökologische Industrie – und Dienstleistungspolitik, Atomausstieg und Umbau der Energieversorgung. Vieles sind Stichworte, die aus Diskussionen und Berichterstattungen bekannt sind. Hier werden sie zu einem (sozialdemokratischen) Projekt zusammengeführt.

Die Bedeutung und Chancen dieses Projektes für die Sozialdemokratie skizzieren die Autoren auf Seite 24 folgendermaßen: „Die Debatte über die Grenzen des Wachstums kann zum Sanierungsprogramm der Politik werden, vor allem für die Idee der Volkspartei. Denn der Umbau erfordert und ermöglicht neue Bündnisse und Allianzen über soziale, kulturelle und weltanschauliche Grenzen hinweg. Eben weil dieses große sozialökologische Projekt der Politik auf allen Ebenen ein Gestaltungsfenster öffnet, könnte es die heute so oft totgesagten zu neuem Leben erwecken. Die Sozialdemokratie, die trotz ihrer Fehler und Halbheiten historisch und programmatisch die besten Voraussetzungen dafür bietet, die Koordination des Veränderungsprozesses zu übernehmen, sollte diese Chance nutzen.“


Johano Strasser, Michael Müller
Transformation 3.0 – Raus aus der Wachstumsfalle
Berlin 2011
Vorwärts-Buch
ISBN 978-3-86602-534-9

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