Eine gut besuchte Podiumsdiskussion mit vielfältigen Perspektiven und lebhafter Debatte: Unter dem Motto „Gutes Leben in Holle – auch im Alter!“ lud die SPD Gemeinde Holle am 10. Juni 2026 in die Schäferscheune Sillium ein. Die Veranstaltung stieß auf großes Interesse und bot Raum für zahlreiche Fragen und Ideen rund um die Zukunft des Zusammenlebens in der Gemeinde.

Demografischer Wandel als kommunale Herausforderung
Den Anstoß für den Abend geben aktuelle Zahlen: 25 Prozent der Bevölkerung in der Gemeinde Holle sind älter als 65 Jahre, weitere 32 Prozent gehören der älteren mittleren Generation zwischen 45 und 64 Jahren an. Für Simone Flohr, Vorsitzende des SPD Ortsvereins und Moderatorin des Abends, sind diese Daten ein klarer Handlungsauftrag: „Diese Zahlen zeigen, dass Kommunalpolitik auf die demografische Entwicklung vor Ort Antworten finden muss.“ Als Kreistagsabgeordnete und Mitglied im Sozialausschuss des Landkreises Hildesheim brachte Flohr auch die regionale Perspektive in die Diskussion ein.

Starkes Podium mit Fachexpertise und zivilgesellschaftlichem Engagement
Als prominente Gesprächspartnerin war Andrea Prell zu Gast – Landtagsabgeordnete des Wahlkreises Alfeld (Leine), Mitglied im Sozialausschuss des Niedersächsischen Landtages und pflege- sowie seniorenpolitische Sprecherin der niedersächsischen SPD-Landtagsfraktion. Die gelernte Krankenschwester erläuterte, wie das Thema Pflege und Alter in der Landespolitik bearbeitet wird.
Dabei übte sie Kritik an den Reformplänen der Bundesregierung, sah aber auch mögliche positive Effekte. „Pflege wird traditionell in Deutschland dann eingesetzt, wenn jemand erkrankt ist. In den skandinavischen Ländern bedeutet Pflege zum großen Teil Prävention. Auch wir müssen umdenken und vor Ort viel mehr präventive Maßnahmen entwickeln.“
Anja Becker, zuständig für Strukturplanung Seniorinnen und Senioren in der Landkreisverwaltung, stellte die Angebote des Pflegestützpunkts im Landkreis Hildesheim vor. Sie informierte außerdem über ein aktuelles Förderprogramm des Landkreises, das Kommunen finanziell dabei unterstützt, seniorengerechte Angebote zu entwickeln – von Vernetzung und Beratung bis hin zu niedrigschwelligen Maßnahmen gegen Einsamkeit.
Sieglinde Deffner-Korrmann, Vorsitzende des DRK Holle, vertrat die Perspektive zivilgesellschaftlicher Strukturen und machte deutlich, wie wichtig ehrenamtliches Engagement ist, um Angebote für ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger aufrechtzuerhalten. Die Frage, wie es gelingt, fitte Rentnerinnen und Rentner für ein Ehrenamt zu begeistern, wurde dabei intensiv diskutiert.

Inspiration aus der Nachbarschaft: Das Projekt Präventionslotsen
Besondere Aufmerksamkeit fand das von Simone Flohr und Anja Becker vorgestellte Projekt „Präventionslotsen“ aus Lamspringe. Seit vier Jahren werden dort Bürgerinnen und Bürger ab 70 Jahren proaktiv zu Hause besucht, um ihnen die Angebote in der Gemeinde zu erläutern, ihre Bedürfnisse zu erfragen und bei Bedarf passende Hilfen zu vermitteln. Dieser aufsuchende, präventive Ansatz stieß auf großes Interesse und wurde als mögliches Modell auch für Holle diskutiert.

Viele Fragen, viele Ideen
Im Mittelpunkt des Abends standen Fragen, die viele Bürgerinnen und Bürger direkt betreffen: Wie kann man auch im Alter aktiv am gesellschaftlichen Leben teilhaben und eigene Erfahrungen einbringen? Wo finden Menschen Unterstützung, wenn sie plötzlich Angehörige pflegen müssen? Welche Möglichkeiten gibt es für barrierefreies Wohnen und ein gutes Miteinander der Generationen? Die rege Beteiligung des Publikums zeigte: Das Thema Alter geht alle an – und die Menschen in Holle sind bereit, gemeinsam Antworten zu finden. Der Abend endete mit zahlreichen Ideen und dem Wunsch, die begonnene Diskussion fortzuführen.