Der Rettungsdienst darf nicht zum Wahlkampfthema werden, das fordert SPD Kreistagsabgeordnete Simone Flohr nach der Berichterstattung der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung vom 20.7. („Internes Zerwürfnis - Beleidigungen, Vorwürfe, Neuwahlen: Krach in der AG Rettungsdienst“). Dort wurde beschrieben, wie der in Ochtersum lebende Holler CDU-Kreistagskandidat Becker zum Vorsitzenden des Vereins gewählt wurde und dabei betonte, politisch neutral zu sein. Zugleich warf laut Presseartikel auch Hoppe, selbst Mitglied der AG Rettungsdienst, einem anderen Mitglied vor, die politische Neutralität verletzt zu haben.

„Umso befremdlicher ist es, dass genau dieses Thema in unserer Gemeinde von beiden für den eigenen Wahlkampf genutzt wird“, so Flohr. Während Becker und Hoppe Herzchen für den Rettungsdienst am CDU Wahlkampfstand vor dem EDEKA kleben lassen, hat Hoppe zudem eine komplette Wahlkampfanzeige rund um das Thema Rettungsdienst geschaltet, zudem mit inhaltlichen Fehlern. Für Flohr ein klarer Widerspruch zu den angeblichen Neutralitätsansprüchen und ein Mangel an Glaubwürdigkeit.

Was sich beim Rettungsdienst im Landkreis Hildesheim seit dem 1. Juli 2026 tatsächlich verändert hat, ordnet die SPD im Folgenden sachlich ein. 

Worum geht es?

Am 1. Juli 2026 ist im Landkreis Hildesheim ein neuer Rettungsdienstbedarfsplan in Kraft getreten, den der Kreistag beschlossen hat. Grundlage ist eine gesetzliche Verpflichtung des Landkreises aus dem Niedersächsischen Rettungsdienstgesetz. Die Gemeinde Holle gehört zum großen Teil zum Rettungswachenbereich Bockenem. Heersum wird von der Rettungswache Schellerten betreut.

Was hat sich seit dem 01.07.2026 für Holle geändert?
  • Bisher waren im Landkreis 30 sogenannte Mehrzweckfahrzeuge im Einsatz, die sowohl Notfälle als auch Krankentransporte übernommen haben. Dieses System ist inzwischen die Ausnahme in Niedersachsen. Künftig gibt es eine differenzierte Flotte mit 31 Fahrzeugen.
     
  • In Bockenem sind somit keine Mehrzweckfahrzeuge mehr stationiert, sondern 2 Rettungswagen (RTW), die für echte Notfälle mit Notfallsanitätern zur Verfügung stehen. Da diese Wagen fast keine Krankentransporte mehr übernehmen werden, sollen die RTW schneller verfügbar sein und die gesetzliche Hilfsfrist von 15 Minuten in 95 % der Notfälle besser eingehalten werden.
     
  • Eine verbesserte, standardisierte Notrufabfrage erkennt nun frühzeitig, wann wirklich ein RTW nötig ist und wann ein anderes Fahrzeug ausreicht. Welches Fahrzeug ausrückt, entscheidet weiterhin der hochqualifizierte Disponent in der Rettungsleitzentrale.
     
  • Seit Juli ist in der Rettungswache Bockenem rund um die Uhr ein RTW stationiert, ein zweiter von 7 bis 19 Uhr (an Wochenenden bis 15 Uhr). Diese beiden Fahrzeuge stehen nun fast vollständig für tatsächliche Notfälle zur Verfügung.
Warum steht der Rettungswagen nicht mehr in Sottrum?

Die Grundlage für die Entscheidung der Landkreisverwaltung, den Nebenstandort 2025 in Sottrum aufzugeben, war die schlechte Einhaltung der Hilfsfrist und stand nicht im Zusammenhang mit dem neuen Rettungsdienstbedarfsplan. 2019 wurde wegen der Bauarbeiten an der A7 vorübergehend ein Mehrzweckfahrzeug in Sottrum stationiert. Trotz des Nebenstandortes in Sottrum lag die Einhaltung der Hilfsfrist in Holle nur bei 63 %, da bei einem Nebenstandort Fahrzeuge an andere Landkreise und Rettungswachenbereiche abgegeben werden und das Fahrzeug somit oft anderweitig unterwegs war und oft nicht dem gesamten Rettungswachenbereich Bockenem zur Verfügung stand.


Wie geht es weiter?

Die SPD im Kreistag hat zusammen mit der Mehrheitsgruppe ein vierteljährliches Controlling eingeführt, um Veränderungen bei der Hilfsfrist beobachten zu können und ggf. in Absprache mit den Krankenkassen Veränderungen herbeizuführen, falls Hilfsfristen weiterhin nicht ausreichend eingehalten werden. Die Zuständigkeit hierfür liegt beim Landkreis und nicht bei den einzelnen Kommunen.
„Das neue System ist erst seit wenigen Wochen in Betrieb und soll Verbesserungen bringen. Lassen sie uns zuerst die Ergebnisse des Controlling abwarten, bevor wir die Lage bewerten. Sollten sich Defizite zeigen werden wir die notwendigen Nachbesserungen konsequent einfordern“, so Maike Gückel, Vorsitzende der SPD Gemeinderatsfraktion.
„Rettungsdienst geht uns alle an, er muss die rechtlichen Vorgaben des Landes erfüllen und Menschen in Notsituationen rechtzeitig erreichen, das muss unser Ziel sein“, so Flohr weiter. „Genau deshalb gehört dieses Thema in die sachliche Arbeit der zuständigen Gremien und nicht in Wahlkampfanzeigen. Wer die eigene Neutralität betont und gleichzeitig den Rettungsdienst für den eigenen Wahlkampf instrumentalisiert, schadet dem Vertrauen in eine Aufgabe, die für die Sicherheit aller Menschen im Landkreis entscheidend ist.“ 
Die SPD in Holle und im Kreis wird die tatsächliche Entwicklung der Hilfsfristen weiter eng und sachlich begleiten, unabhängig von Wahlterminen.

Weitere Informationen zum Thema Rettungsdienstbedarfsplan mit Zahlen, Daten und Fakten finden Sie auf unserer Homepage spd-holle.de.